Ich bin zugegeben kein besonders romantischer Mensch. Mir muss man eigentlich keine Blumen schenken. Tut man es doch, freue ich mich allerdings trotzdem, jedoch wäre mir jede Pflanze, welche im Topf wachsend, die Halbwertszeit eines jeden Blumenbuketts um Längen schlägt, deutlich lieber.
Sonnenuntergänge langweilen mich ein wenig, das ewige Starren auf dieses grellgelbe Ding tut in den Augen weh und warum sollte man es dann machen? Candlelight Dinner sind absolut unpraktisch, ich will doch sehen, was man mir da vorsetzt, das Auge isst doch schließlich mit. Und bei schwülstigen Liebeserklärungen fange ich an, derbe Witze zu reißen, was mein Gegenüber mitunter, sollte es eher zartbesaitet sein, wohl eher in die Flucht schlagen als zu weiteren schwülstigen Schwüren animieren dürfte.
Und doch möchte ich mich beklagen, ja wenn nicht gleich wehklagen ob der Tatsache, dass bei der Umstellung von einfachen Glühbirnen auf Energiesparlampen einiges an Muschebubu eingebüßt wird. Muschebubu entstammt dem Sächsischen und steht für eben jenes Zwielicht, in dem sich optische Makel am ehesten verbergen lassen und auch für was viele andere unter romantischer Atmosphäre verstehen. An dieser Stelle sei eingeräumt, dass auch ich hier und da gern darauf verzichte, länger als drei Sekunden unter einer 100 Watt Neonröhre zu verweilen oder bei dem kalten und unfreundlichen Licht einer 60 Watt Energiesparlampe ein Glas Wein in mich hineinzukippen.
Mittlerweile ist der Birnenmarkt überschwemmt von eben jenen Energiesparpeinigern, die es offenbar erst ab 20 Energiespar- und damit umgerechnet 100 Glühbirnenwatt zu geben scheint. Selbst die Funzel mit der geringsten Wattzahl ist keine Funzel mehr, sondern gleicht mit ihren angegebenen 40 Watt Glühbirnenleistung einem Spot, wie man ihn auf der Polizeiwache im stickigen Verhörraum von einem Trenchcoat tragenden Kommissar ins Gesicht gehalten bekommt, wenn man nicht unverzüglich alles zugibt, was einem so unterstellt wird. Da ist es für jemandem, der für Romantik ohnehin schon wenig bis keinen Sinn hat, beinahe unmöglich, im Falle der Zweisamkeit in Stimmung zu kommen, ist die einzig verfügbare Lichtquelle eben durch eine Energiesparlampe welcher Wattzahl auch immer besetzt. Jede Falte, jeder Pickel und jeder Mückenstich scheint Ausmaße anzunehmen, welche man maximal mit einer Aschewolke aus Island verschleiern könnte.
Und so hege und pflege ich meine restlichen 15 Watt Glühbirnen, hüte sie wie meinen Augapfel, beweine jede, die in meiner Abwesenheit das Zeitliche segnet und ersetze sie dann durch ein Teelicht. Das, wie ich übrigens kürzlich lernte, im Plural nicht etwa Teelichter, sondern schlicht Teelichte heißt. Das war natürlich ein Spaß! Denn ebenso wie ich meine geliebten 15 Watt Birnen hege, so versuche ich auch seit knapp 4 Jahren einen 50er Sack, bei Ikea erstandene Teelichter nieder zu fackeln….leider erfolglos! Wenn ich mal auf die Idee kommen sollte eine Kerze anzuzünden, muss schon der Strom ausfallen oder Krieg ausbrechen. Aber das ist ein anderes Thema.

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