Soeben erreichte uns eine Eilmeldung aus Baden- Württemberg: "Die Heizdecken sind aus!"
Wer jedoch eine kälteresistente Natur besitzt und Entdeckungsreisen auch unter widrige Bedingungen nicht scheut, sollte das Erlebnis "Amador" in Mannheim definitiv für einen kurzen Urlaub im Kulinarik-Himmel buchen!
18 Uhr MEZ begann mit einer lustigen Autofahrt die Reise der zwei "Weitergereisten", welche zudem von Neugier, Hunger und Weinseligkeit getrieben wurden.
50 Minuten später, nachdem wir die Floßwörthstraße gefühlte hundert mal im "Spielstrassentempo" entlang geschlichen sind, sahen wir endlich das dezente Schild, welches uns auf unsere heutige Urlaubsdestination aufmerksam machte. Nach dem obligatorischen Check in und dem Ablegen der Garderobe wurden wir an unseren Tisch mit schönem Blick in den hellen, sehr großzügigen und offenen Raum geführt. Eindrucksvolle Skulpturen dienen optisch als Raumteiler und nach einer kurzen Überlegung "Ist das Kunst oder kann das weg?", entschieden wir uns einstimmig dafür, das es bleiben kann.
Ein sehr netter, mit Wortwitz und Charme ausgestatteter Mitarbeiter der schwarzen Brigade begrüßte uns dort sehr herzlich und überreichte uns die Karte mit den beiden Menüs. Der Blick in die Karte war für mich an diesem Abend lediglich rein informativ, denn die Entscheidung wollte ich heute, in die meines Erachtens fachkundigen Hände meiner Begleitung legen, denn alte Touristenweisheit "Zuviel Reiseführer verderben den Trip". Die Wahl ist nach kurzer Überlegung auf das Menü "Momentaufnahme" gefallen.
Während wir den Aperitif genossen, nutzte ich die Zeit für eine visuelle Erkundungstour des Reiseortes.
Da ich ja ein Sympathisant von Purismus, dezenten Farben (am liebsten eh alles weiß) und wenig Schnörkelei bin….muss ich sagen, das sich schon zu Beginn eine Art Wohlfühlathmosphäre einstellte. Lieber deutlich zu wenig, als nur ein bisschen zu viel ist in diesem Fall in einem perfekten Mischverhältnis positiv ausgefallen.
Dominierendes Rot, welches sich wie der besagte "rote Faden" durch das komplette Restaurant zieht und dem sonst weiß gehaltenen hohen Raum in verschieden Nuancen von Magenta über Kamin bis hin zu leichtem Lachsrot schöne Akzente verleiht.
Gläser, Vasen, Dekoration, welche ebenfalls vom roten Faden eingefangen wurden verdeutlichen die klare Linie ohne jedoch "to much" zu sein.
Zum Essen direkt, werde ich mich nicht großartig auslassen….denn zum einen ist Essen ja bekanntlich Geschmacksache, zum anderen würde ich mich eh als "schwierigen Esser" mit einem Hang zum "Ich-muss-aber-alles-mal-ausprobieren" beschreiben und zudem umschreibe ich gerne mit Zuckerguss, Lametta und rosa Wattebäuschen, gepaart mit Schienbeintritten und Kratzspuren….meist zu abstrakt und zu bunt um dem Synapsenfasching in meinem Kopf folgen zu können…
Daher nur die Menüfolge mit ein Paar kleinen Anmerkungen:
Strammer Max
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Ochsenmaulsalat l Rettich l Bries l Petersilie l saure Zwiebel
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topinky on the rocks
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Handkäs mit Musik
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geeiste beurre blanc l Malzbrot l Haselnussmilch l Kaviar
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Mais l Kabeljaukutteln l Popcorn l px (????) l Pimenton
So, nun haben wir erstmal die, noch nicht zum Menü gehörenden Kleinigkeiten aufgezählt, welche eindrucksvoll inszeniert auf dem Tisch landeten….und ich Zweifel gerade an der Masse des gestern gegessenen, zum einen ob es solch eine gute Idee war diesen Eintrag überhaupt zu schreiben, denn es gibt noch weiter 2/3 an Menütext welche noch getippt werden wollen und zum anderen wie ich das alles geschafft habe.
Aber wer bekanntlich 36 Sushis als kleine Mahlzeit empfindet, der schafft auch noch weitere 14 Kleinigkeiten, welche es noch zu entdecken galt.
In besonderer Erinnerung blieb die "geeiste beurre blanc l Malzbrot l Haselnussmilch l Kaviar" welche, soweit mein Gedächtnis mich nicht im Stich lässt, schon im damaligen Restaurant in Langen für Begeisterung sorgte. Die Mischung der Textur, die verschieden Aggregatzustände der Zutaten und deren Auswahl….geschmacklich einfach ganz großes Tennis. Sat 1 würde daraus den Kaviar Block Buster und Film,Film, Film drehen und sogar auf Veronika Ferres, zur meiner allgemeinen Begeisterung, in der Hauptrolle verzichten können.
Der von uns gewählte Wein erreichte inzwischen ebenfalls, wohl temperiert, von einem sehr netten Sommelier, wo ich jedoch erst nach genauem hinhören feststellte das er wahrlich deutsch spricht, unseren Tisch.
Eckdaten zum Wein, was noch hängen geblieben ist: Weiß und von der Mosel. Ja, recht dürftige Angaben…man verzeihe mir an dieser Stelle….das Alter….sie wissen schon!
Die Reise geht weiter. Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt…bitte schnallen sie sich an!
Kaisergranat
grüner Apfel l Ziegenkäse l Entenleber l Apfelkernöl
(wurde für mich ausgetauscht und wurde dann zu Carabineros l Blumenkohl l Limone l Nougat)
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Jacobsmuschel
Schweinebauch l Soubise l Eigelb l Parmesan
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Atlantik Steinbutt
Beeaftea l rote Rüben l Rosenkohl l Walnuss
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Eifeler Urlamm
auf Holzkohle gegart l Muskatkürbis l Zimtblüte
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White Russian
Belvedere Internes l Valrhona Ivoire (wer bitte denkt sich solche Wörter aus !?!?!) l Mocca
Irgendwie schaffte es auch noch die….
Mineral Taube
Cocos l Mango l purple Curry
…in unser Menü, welche eigentlich zum Menü "Retrospektive" gehörte, auf unseren Tisch. Nun ja, wer will sich da beschweren? Somit ein gerne gesehener Irrläufer, welcher am Tisch sowohl optisch als auch geschmacklich für Begeisterung sorgte.
Ich bin ja im Grunde kein Freund von rotem Fleisch und käme im Leben nicht auf die Idee, weder ein Steak noch ein Täubchen für mich zu braten, aber ich muss gestehen…nach diversen Ausflügen in Sachen "Fleischeslust"…so lieber Freundeskreis….haltet euch fest!!!…könnte es in naher Zukunft auch das eine oder andere Zweit-Rind, nebst dem Verlobten, in die Küche schaffen.
Die einzelnen Reisestationen der Menüs waren alle handwerklich außerordentlich gut und durchdacht. Highlight war in diesem Fall jedoch die Taube und die Jakobsmuschel. Einzige Kritikpunkte sind in diesem Fall, dass es mir doch zu Fleisch lastig war und selbst Fischgänge noch zusätzlich Schwein, Rind und Konsorten enthielten. Der Beeftea könnte etwas mehr Substanz haben, denn er floss quasi wieder vom Fisch ab und wurde fast unberührt und geschmacklich kaum wahrnehmbar mit dem Teller wieder abgeräumt. Zudem suchte ich vergebens die Bowling Bahn zum Dessert und hätte gerne den White Russian stilecht im Bademantel serviert bekommen….aber diesen kleinen Formfehler verzeihe ich in diesem Fall gnädig, denn mit diesem Dessert hätte man mir auch gerne ein Badewanne befüllen können. Ob es am vertrauten Lieblings-Wodka lag…wer weiß ;-)
So, weiter auf der Reise, keine Müdigkeit vortäuschen….
Mein Schwarzwald
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Choc o Liva
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Crema Catalan am Stiel
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Nippon dekonstruiert
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Mozarts Kugel
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Mohr im Hemd
Die letzte Runde ist für mich quasi immer der Abstecher ins SPA, die Massage für den Gaumen, die Wellness Dusche für den Schokoholiker.
Hier nicht nur optisch sondern auch geschmacklich Prädikat "Leading Spa"! Einzig Kritik, welche bei mir heute den roten Faden darstellt, das sich selbst noch in das Dessert Fleisch verirrte.
"Mein Schwarzwald" ist durch die Ummantelung von Speck sowohl in Langen als auch in Mannheim bei mir mit "setzen sechs" durchgefallen.
Noch ein kleiner Koffein-Kick und alsbald wollten wir die Rückreise antreten. Ich freute mich schon insgeheim ein wenig auf die Sitzheizung im Auto, denn so ganz ohne Heizdecke….aber lassen wir das, denn die Erkenntnis das es auch ohne geht, hat den Abend genau zu dem werden lassen, welcher er war.
Und so endete auch diese Reise deutlich später und weinseliger als geplant und mit einem Schmunzeln auf den Lippen mit der Weisheit "erstens kommt es anders und zweitens als man denkt".
Vielen Dank an alle Beteiligten, ganz gleich welche Rolle sie an diesem Abend übernommen haben und zu welcher Zeit sie die illustre Zweierreisegruppe mit Anwesenheit bereicherten…es war ein Erlebnis.


Danke für den Tipp. Das Ding sieht echt mega aus - kaum zu glauben, dass Mannheim so ein Stylo-Teilchen zu bieten hat...
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