Sonntag, 13. November 2011

Über flüssiges....


Manchmal stelle ich mir vor, dass unsere Emotionen fließend sind, flüssig wie geschmolzenes Eis. Dass sie wie unser Blut im Körper stetig zirkulieren. So erklärt es mir am verständlichsten, dass eine einzige Empfindung den ganzen Körper binnen Sekunden durchfluten kann.
Angst und du bist von der einen auf die nächste Sekunde regungslos. Du fühlst dich wie gelähmt. Weil sich dieses eine Gefühl wie ein betäubendes Gift in deinem Körper verteilte. Erleichterung und du entspannst. Die aufkommende Gelassenheit, nachdem eine riesige Welle das Meer erschüttert hat, spürst du überall im Körper. Du gelangst langsam wieder an die Oberfläche und kannst tiefe Atemzüge nehmen. Wut und du bebst innerlich. Du wirst in deinen Grundfesten erschüttert, kannst dich nicht ruhig halten, so sehr du es auch  in diesem Moment möchtest. Freude und jeder Faser von dir explodiert. Es kribbelt in den Füßen, weil man am liebsten aufspringen und tanzen möchte. Die Mundwinkel zucken, wie von kleinen Stromschlägen angetrieben, weil sie so hoch wie möglich kommen wollen. Trauer und du fühlst dich ohnmächtig. Weil dieses kraftraubende Gefühl sich durch jeden Knochen, jeden Muskeln zwängt, von deinen müden Augenlidern bis hin zu deinen kalten und tauben Zehen. 
Emotionen müssen einfach flüssig sein…. Denn sie fließen manchmal ganz ruhig und bedächtig und ein anderes mal ganz wild und ungestüm durch den gesamten Körper. Manchmal verhalten sie sich wie ein ruhiges Flüsschen, ein anderes Mal schwappen sie wie ein Wasserfall durch einen durch. Und manchmal, da überspülen sie dich gänzlich. Ganz gleich, durch welche Empfindung. Plötzlich fließt Flüssigkeit aus deinen Augen. Tränen. Manchmal nur eine kleine, kaum wahrnehmbare Träne. Manchmal tausende von ihnen. Irgendeines der Gefühle wurde zu viel, hat die eigenen Grenze überschritten und versucht ein Ventil zu finden, in dem es dich weinen lässt.
Und all diese Gefühle, bündeln sich durch die wundervollste aller Empfindung zusammen. Liebe. Du liebst, also erstarrst, entspannst, bebst, explodierst und fühlst Ohnmacht. Dieses mächtige Gefühl im Herz führt zum Regen in Form von tausender kleiner Tränen und gleichzeitig Feuer überall. Es erreicht jeden noch so kleinen Winkel in dir. Manchmal dies alles an einem einzigen Tag. Ein Gefühlscocktail der so verdammt stark sein kann und einen in die Knie zwingt.
Gelegentlich allerdings, da scheint es, als wäre der Fluss zum stocken gekommen. Also wäre ein riesiger Damm gebaut worden, der nichts mehr fließen lässt und nur ein schmerzenden Gefühle durch deinen Körper schickt. Es macht den Anschein, in diesem Gefühl kurz vor dem Ertrinken zu sein. Wasser ist besonders dann gefährlich, wenn man das Schwimmen nie gelernt hat und leider kann dir niemand wirklich beibringen, wie du dich in diesem Gefühlsmeer am Besten über Wasser hälst. Man hat nur zwei kleine Möglichkeiten, entweder du lernst das schwimmen oder der Damm bricht und reisst dich in die tiefen Fluten. 
Das Einzige, was man jedoch wirklich fürchten muss, ist in einem Gefühl zu ertrinken. Das Schwimmen nicht rechtzeitig gelernt zu haben. Weil Gefühle fließend sind und die Seele in ihnen schwimmt. Jedoch braucht sie Luft. Die Seele muss ein guter Schwimmer sein, muss atmen können…

2 Kommentare:

  1. Auch ein Ertrinkender vermag das Schwimmen noch zu lernen. 

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  2. ...diese Metapher mit dem (Stau)Damm gefällt mir wirklich gut... Es ist genau das, was ich gerade durchlebe. Und ob man etwas kann oder nicht - spätestens im Strudel, in den Fluten erfährst Du Wissen über Dich und Deine eigene Kraft, wo Du vorher gar nicht dachtest, dass Du sie besitzt - und Du beginnst zu schwimmen, obwohl Du es nie gelernt hast: Hauptsache, Du bleibst erstmal oben und schenkst Dir und Deiner Seele Atem...

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