Sonntag, 20. Februar 2011

Faster Food 2.0

Neulich stieg mir beim Besuch einer Freundin ein deutlich übertriebener Duft von Käse-Sahne-Soße in die Nase. Der Geruch wehte quer durch den Raum und die Quelle war schnell gefunden: Die Mikrowelle. Darin befand sich ein Fertig-Nudelgericht, welches offenbar gerade zubereitet wurde. Das Menü, welches sich gerade so lustig in der Mikrowelle drehte, schien dem von mir Besuchten Menschen, welcher es gleich genießen sollte, wohl selbst am wenigsten zuzusagen. Zitat: "Ich wette, das verkürzt meine Lebenszeit um mindestens eine Woche."


Genau in diesem Moment begann ich mir eine entscheidende Frage zu stellen: Warum essen wir Fertiggerichte und Junk Food, wenn wir damit nicht zufrieden sind? Warum beuteln wir unsere Sinne mit künstlichen Aromen, ob nun lukullisch oder olfaktorisch?


Einmal ganz abgesehen davon, dass einige Menschen heute offensichtlich nicht mehr kochen können oder wollen ohne auf bekannte Fertiggerichtmarken zurückzugreifen. Genau an dieser Stelle erinnere ich mich eines Momentes, wo ich meine regen Zweifel hatte, ob eine meiner Freundinnen noch ganz bei Sinnen ist.


Schauplatz: Gibraltar, später Nachmittag, umsatzstärkste Filiale einer bekannten englischen Supermarktkette. Wir haben uns entschieden am Abend zusammen Chili con Carne zu kochen und kaufen gerade zusammen ein. Wir laufen am unübersehbaren, gut gefüllten Regal mit Fertiggerichten, Dosen und Tütensuppen vorbei, wir sind schon auf dem Weg zur Kasse. Besagte Freundin stoppt und wendet sich dem Regal zu. "Haben wir etwas vergessen?" "Ja." Sie greift in das Regal und zieht ein 500ml Glas, gefüllt mit einer dunkelroter Pampe, mit der Aufschrift "Chilli con Carne" und einem lustig grinsenden Mexikaner aus dem Regal heraus. "Was willst du denn damit?" "Na, wir wollen doch Chilli con Carne kochen." "Ähm ja, aber wozu brauchen wir das da?" "Na, da ist schon fast alles drin und es schmeckt gut." Leider kein Schreibtisch in der Nähe um seinen Kopf darauf zu schlagen, ein typischer facepalm-Moment. "Dir ist schon klar, dass wir das auch selbst können?" "Ähm also..." "Ja, ist gar nicht schwer!" "Nehmen wir es trotzdem sicherheitshalber mal mit?" "NEIN!"


Und schon brökelte sie, die Fassade des guten Menschenverstandes, an den ich Sekunden zuvor noch geglaubt hatte. Aber nun gut, das Glas beruhigte sie, es wurde dann trotzdem mitgenommen und natürlich nicht benötigt.


Aber wie das immer so ist mit diesen kleinen Momenten im Leben, sie bringen einen zum Nachdenken. Ist Kochen und Backen wirklich so elementar unwichtig, dass man aus Bequemlichkeit darauf verzichten kann oder es sogar will?

Nun gut, hin und wieder ist ein gewisses Verständnis für die Umstände angebracht.


Wir leben in einer Zeit, die so hektisch ist, dass wir einen einzigen ruhigen Tag ohne Ereignisse, News, Lärm nicht einmal mehr ertragen können. Seien wir doch einmal ehrlich: Wie viele, die jetzt diesen Blog lesen, schaffen es zwei Wochen ohne Internet und Action auszukommen? Wir sind eine neue Generation Mensch, die Web 2.0 - Generation. Unser Tag beginnt am besten mit einer Tasse Kaffee und einmal Email/Communities checken, dann noch eben die News, bevor wir ausgeglichen, entspannt sind. Jetzt wissen wir, was los ist, draußen, in der realen Welt und können uns unserer Arbeit widmen. Das entspannt und ausgeglichen ist allerdings nur oberflächlich: Wir stehen ständig unter Strom und dem permanenten Druck Leistung bringen zu müssen.


Und genau hier setze ich meine Überlegung wieder an: Wir können zum Teil gar nicht anders, als uns von Fast Food und Fertiggerichten zu ernähren.


Das erste und gleichsam größte Problem ist die Zeit. Die haben wir nämlich schlicht und ergreifend nicht….nicht immer…viel zu selten. Egal wie gut wir uns organisieren, wie toll wir alles durchplanen, im Endeffekt fehlt uns die "Zeit zum Leben", die in einem Gedicht von Elli Michler so gerühmt und herbeigesehnt wird.


Das zweite, entscheidende Problem ist, dass vielen das Interesse am Kochen fehlt. Warum anstrengen und kochen, wenn ich im Supermarkt eben mal was Fertiges, z. B. eine komplett fertige Lasagne, kaufen und sie in den Ofen schieben kann, ohne sie lange zuzubereiten? Warum überhaupt kochen lernen, wenn ich mir an der Ecke Burger und Pommes organisieren kann?


Meine Meinung dazu ist simpel: Weil Kochen und Backen Spaß macht. Es entspannt und am Ende kann man sich freuen, dass man etwas Leckeres geschaffen hat.


Ich glaube das schreit nahezu nach einer Liste von schnellen, einfachen Kochrezepten, die der Fastfood-Generation entgegentreten.


Ich glaube demnächst werde ich hier ab und an mal ein Rezept einstellen. Diese Blogreihe wird "Faster Food 2.0" heißen….oder so ;-)


Man darf gespannt sein.

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