
Ich schnappe mir das Zigarettenpäckchen und schleiche mich damit raus auf dem Balkon. Ich nehme mir eine Zigarette heraus, stecke sie mir in den Mund und zünde sie, was ich übrigens viel zu selten tue, mit einem Streichholz an. Draußen ist es kalt und dunkel und die Flamme des kleinen Streichholzes flackert im Wind und verzaubert mich ein wenig. Einfach so. Streichhölzer mag ich eigentlich lieber als Feuerzeuge.
Ich ziehe an der Zigarette und blicke in die Ferne. Von unserem Balkon aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf leuchtenden, blinkenden, funkelnden Lichter der Nachbarstadt. Tausende Lichter funkeln in der Ferne… Im Grunde liegt mir die ganze Welt zu Füßen. So viel Leben liegt noch vor mir. So fühlt es sich also noch mal an....
Es ist kalt, dunkel, die Luft schmeckt nach Tabak und riecht nach Streichhölzern. Es liegt in meiner Hand, wie es verläuft, ob es überhaupt läuft und ich könnte es jetzt beenden, wenn ich wollte, indem ich mich zu weit über das Balkongelände beugen würde.
Ich ganz allein habe es in der Hand, ob ich etwas Großartiges daraus mache oder nicht, mit offenen Augen durchs Leben laufe oder nicht. Es wird sich zeigen ob ich falsche Entscheidungen getroffen habe. Können wir überhaupt falsche Entscheidungen treffen? Wird nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen? Happy End sozusagen? Kennt nicht jeder diese Momente, die einen fast erdrücken und einen dazu zwingen, unvernünftige Dinge zu tun, weil man Angst darum hat, dass es irgendwann zu spät ist?
Dass es so viele immer in die große weite Ferne zieht, verstehe ich nicht. Es ist doch vollkommen egal ob ich in New York, Tokio oder hier alleine auf meinem Balkon. Ähnelt sich das nicht alles und kommt es nicht nur darauf an mit wem man solche Momente verbringt und wo die Leute leben, die man ins Herz geschlossen hat? Um die Weihnachtstage wird es ruhiger auf unserer Erde und jeden zieht es einfach nur nach Hause....so wie auch mich.
Die Zigarette schmeckt beschissen. Aber die sieben Minuten draußen auf dem Balkon gefallen mir gut. Ich sollte mir etwas anderes ausdenken und beschließen, dass zum Beispiel Schokolade nur noch auf dem Balkon gegessen werden darf. Denn es ist schön allein hier draußen.
Früher glaubte ich, dass es keine falschen Entscheidungen gäbe, sondern immer nur Entscheidungen, die für den jeweiligen Punkt im Leben die richtigen waren. Heute empfinde ich es differenzierter und an ein Happy End in allen Lebenslagen glaube ich auch nicht. Ich finde das aber auch... nicht wirklich schlimm. Weil ich finde, dass alles im Leben seine Berechtigung hat - Liebe, Freude, Glück, Trauer, Tränen. Alles muss seinen Raum haben. Ich empfinde es gleich dem Besteigen eines Gipfels: Wer immer nur da oben steht, weiß eines Tages nicht mehr um dieses Glücksgefühl, dort angekommen zu sein, die Arme auszubreiten, die Augen zu schließen, das Gesicht der Sonne entgegen und diese pure Freude herauszuschreien.
AntwortenLöschenUnd an der Stelle, wo es kein Happy End gibt, liegt die Chance für ein Happy End an einem anderen Ort. Immer. Und wo auch immer. Daran glaube ich.
Ist es nicht merkwürdig, wie oft wir darüber nachdenken etwas unvernünftiges zu tun? Unvernünftig, weil gegen uns selbst gerichtet. Ob nun das Geländer am Balkon oder das Klicken der SIG. Und warum tun wir so selten etwas Unvernünftiges das uns weiterbringen könnte, anstatt alles zu beenden?
AntwortenLöschenDie 7-Minuten-Idee werde ich heute abend mal ausprobieren. Vielleicht fällt mir als Nichtraucher ne brauchbare Alternative ein. Nur der Alkohol ist tabu. Ich will ja nicht erfrieren.