

New York 19.30 Ortszeit.
Wir erreichen mit der Hotellimousine mehr als rechtzeitig, dass als bestes Restaurant der Stadt gelobte "Daniel". 19.45 Uhr sollte unsere kulinarische Reise in das mit drei Sternen versehene Lukullische-Weltall gehen.
Unser Tisch war zu Beginn noch nicht frei und so wurden wir an die Bar verfrachtet. Was kein Problem war, denn ob wir nun unseren Aperitif an der Bar oder am Tische zu uns nehmen war uns schnuppe.
2 sehr leckere, jedoch auch sehr stark alkoholische Champagner-Mojitos später waren wir leicht verwundert, als um 20 Uhr noch immer keine Einladung an unseren Tisch erfolgte.
Auf Nachfragen wurde uns gesagt, dass es noch ein wenig dauert, sie uns jedoch dann Bescheid geben werden.
20.15 Uhr erfolgte dann nun endlich die Reise, welche ich, ich nehme es mal hier schon vorweg…bei jedem Reiseanbieter wieder storniert hätte oder Schadensersatz gefordert hätte.
Da uns nach den zwei Mojitos doch noch der Sinn nach Champagner stand und da dies immer unser Einstig in mehrtägige Dinner darstellt und man schöne Traditionen nicht brechen sollte… bestellten wir gleich zu Beginn noch einmal 2 Gläser Champagner.
Kurz darauf kam auch schon die Weinkarte und da ich gerne Wein aus dem Land trinke, in welchem ich mich gerade befinde, sollte es auch ein Wein aus den Vereinigten Staaten sein.
Da die USA in Sachen Wein für mich, bis auf die großen Namen quasi Neuland darstellt, bat ich um Hilfe des Sommelier.
Ich schilderte recht konkret meine Wüsche und Vorlieben (Dominik entschied sich für korrespondierende Weine, ergo war die Auswahl gänzlich auf meinen Geschmack ausgelegt). Was dann auf den Tisch kam, war alles andere als das was ich bestellt habe. Ich weiß nicht wie der Sommelier auf die Idee gekommen ist mir diesen Wein anzubieten. Dominik mochte ihn jedoch ganz gerne und ich konnte mich auch überwinden ein Glas davon zu trinken um mir im laufe des Menüs noch selbst eine half bottle eines von mir blind ausgesuchten Weins zu bestellen. Schlimmer konnte selbst eine wahllose Blindbestellung meinerseits nicht werden. Ich hatte Glück…der Rebensaft traf in etwa meinen Geschmack.
Was den Champagner betrifft….dieser kam nie bei uns an! Als meine half bottle gebracht wurde, konnte ich mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass der Champagner nun auch nicht mehr gebracht werden müsste. Außer einem kurzen "sorry" keinerlei weitere Reaktion darauf…
Schnell wurde einem bewusst das es sich beim Daniel´s um eine etwas bessere Kantine handelt. Allein 36 Tische (von 2-8 Personen) konnte ich alleine von meinem Platz aus zählen. Das Restaurant ist terrassenartig aufgebaut. In der Mitte befinden sich ein Großteil der Tische und das ganze wird von Säulen von der nächsten Stufe, wo sich viele 2er Tische befinden abgeschirmt. Im äußersten Ring befinden sich 2er & 4er Tische wo man sich nicht gegenüber sondern nebeneinander sitz.
Alleine ein Blick durch die Runde machte klar, das es eine Klassengesellschaft hier gibt. Am äußersten Rand saßen eindeutig die unwichtigsten Gäste. Männer mit schlecht sitzenden Anzügen, Frauen zu bunt, zu viel, zu tief, zu kurz…
Ergo alles was 1-2 Reihen hinter uns saß war Fratzengulasch par excellence, was aber genauso zahlende Gäste darstellte und eine Unverschämtheit meines Erachtens ist!
Darüber könnte ich mich noch seitenlang auslassen! Zudem über die Lautstärke in dieser Massenabfertigungshalle…keine leise Musik, keine Untermalung der Atmosphäre. Warum auch, es war ja keine zu spüren!
So…weiter auf unserer Reise. Wir wählten das große Menü, welches aus 8 Gängen bestand und bestellten zusätzlich einen Trüffelgang (Tagliatelle mit weißen Trüffeln - in der mittleren Portion- für zusätzliche 95 Dollar !!!)
Der Gruß aus der Küche…nicht der Rede wert! Der erste Gang sorgte bei mir spontan für Übelkeit und Würgereflex, da Foie Gras in diesem Gang war, welches bei Dominiks Gang angeben und von mir daher durch einen anderen ersetzt wurde…aber ohne Deklaration trotzdem ebenfalls enthalten war.
Schnell ein Schluck des ekelhaften Wein darüber….dann war dieser endlich auch weg…und den Gang dezent rüber zum Mann schieben.
Nächster Gang Languste…sehr lecker, mag ich wirklich gerne…aber was war das? Eine mit irgendwas ummantelte Languste einmal durch Frittierfett gezogen? Zudem mit Glutamat China-Fertig-Soße übergossen?
Der Gang schmeckte wie nach einer durchsoffenen Nacht noch mal schnell zum China-Imbiss was ekliges fettiges essen.
Irgendwann gab es dann auch endlich etwas Brot…denn nach Mojito und diversen Schlucken Wein und dem ungewollten verschenken des ersten Gangs stieg mir auf quasi nüchternen Magen der Alkohol langsam enorm zu Kopf.
Brot gab es im übrigen an diesem Abend nur noch eimal und das auch nur auf Nachfrage. Besonders überragend war es eh nicht!
Die folgenden Gänge boten keine nennenswerten Highlights….der Trüffelgang war gut, jedoch warm wären mir die Nudeln um einiges lieber gewesen.
Leere Teller blieben lange auf dem Tisch stehen, Gläser wurden nur wenn sie schon leer waren erst nachgeschenkt. Hach, wenn man dagegen an Abende im Tristan, Schwarzwaldstube, Haerlin, Falko und Konsorten denkt, wünscht man sich nie hier eingecheckt zu haben.
Der Käsewagen war von der Bestückung okay, jedoch gab es nur Käse. Keinerlei Geele, Chutney, kandierte Früchte, Nüsse, Trauben oder sonstiges dazu. Brot auch nicht…aber erneut nachfragen war uns dann auch zu blöd. Nachdem schon bei der Auswahl von sechs verschiedenen Sorten Käse keine siebte mehr auf den Teller "passte" (HALLO geht´s noch !?!?!?)
Einziges Highlight des Abends war das Dessert. Irgendwas mit Ananas was wirklich uns beide gänzlich begeisterte. Wir saßen jedoch noch bei Ananas Dessert als uns schon die Petit Four vor die Nase gestellt wurden. Schnell noch einen Kaffe und einen Rum dazu geordert und raus aus dieser Mensa....aber PRONTO!!!
Zum Rechnungsbetrag muss ich ja nichts sagen…der eine oder andere wird wissen wie solch ein Abend zu Buche schlägt. Es bleibt nur der bittere Nachgeschmack, das man für diese Geld locker eine Woche zu zweit hätte verreisen können (AI und mit dem Flugzeug) und die Verwunderung wie diese 3 Sterne bitte zu Stande gekommen sind!
Daniel - definitiv keine Empfehlung!
Nachtrag: Wir kommen soeben von einem grandiosen Dinner im "Romera" der aktuelle Hot Spot in NYC....noch unbesternt! Ich schwebe noch immer auf der Wolke der Begeisterung. Eventuell die Tage mehr dazu! Es wird jedoch schwer sein das dort erlebte in Worte zu fassen....
...was letztlich meine Theorie bestätigt: "Gut muss nicht immer teuer sein. Und teuer ist nicht immer gut." Enjoy! :)
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