
Hört ihr euch eigentlich manchmal zu? Seht ihr euer Leben auch manchmal mit einem gewissen Abstand an, oder seid ihr schon so drin in diesem hippen, crazy Überlifesyle, sodass ihr gar nicht mehr merkt, was da passiert?
Ihr esst keine Nudeln mehr. Ihr esst Pasta. Selbst gemacht mit der Ikea-Nudel-Automaten-Maschine. Der Ikea-Rausch. Ein Rausch der Sinne. Individualität erreicht durch Uniformität. Ihr esst keine Aufläufe, ihr macht euch Gratins. Ihr trinkt auch keinen Kaffee. Weder mit oder ohne Kännchen. Ihr trinkt dreifach geschüttelten antistatischen rechtsherrumgerödelte Soja-Lowfat-Lattechinos mit Bisonflavor. Ihr schreibt eure Notizen nicht mehr in schnöde Kalender. Ihr beschmiert Moleskines mit euren Kugelschreibern, die ihr auf Messen habt geschenkt bekommen. Biobauernmilch aus dem Tetrapack. Ihr geht zu Bands deren Namen zu lang sind. Statt zu James Blake geht es „Und Walter geht um eine Ecke und findet dort einen Keks den er sich mit Genugtuung in den Mund schiebt um dann jauchzend die Neuzeit auszurufen“ oder "...And You Will Know Us by the Trail of Dead and if not go away and fuck yourself".
Während ihr in den dreckigen Clubs steht, mit Flaschenbier und Vodka-Longdrinks in der Hand, tanzt ihr zur Begrüßung euren Namen. Ihr fresst nur noch Dinge, von denen ihr den Lebenslauf vorgelegt kriegt. Ihr kokettiert mit euren psychischen Erkrankungen als müsste man sich schuldig fühlen, wenn man keine Störungen vorzuweisen hat oder diese einfach für sich behält. Das Propagieren von Einsamkeit und deren Geschwister Bio-Food und Untervögelung.
Ihr zieht in Stadtteile, in die sonst keiner ziehen will, weil dort sind die echten Hippen Menschen. Dort bleibt ihr am Boden. Dort seid ihr nicht umgeben von diesem Einheitsbrei. Das meint ihr…denn genau dort entsteht der Hippe Einheitsbrei. Bunt, ja kunterbunt…doch immer wieder gleich. Zu gewollt, zu verkrampft, zu durchschaubar.
Ihr telefoniert nicht mehr mit Handys, nein. Ihr packt eure Smartphones auf den Tisch und bevor der Tag herum ist habt ihr tausendfach geflackert, getickert, getwittert, gebooked ! Wie individuell ihr doch seid, wenn ihr mit euren Jutebeuteln durch die Szenecafes der Stadt stolziert. Jeder von euch hat einen anderen Kartoffeldruck aus fairtrade Baumwolle mit essbaren Farben bekleckst. Und während ihr am Abend dann euren rohen Bio-Fisch in den Mund stopft, während ihr bei Tatort kleine Strümpfe strickt und Bionade trinkt, fühlt ihr euch so besonders. Weil ihr doch so individuell seid. Weil ihr euch abtrennt von der Masse….bravo!
Ich esse jetzt meine Nudeln mit Käse überbacken…nicht gratiniert. Höre währenddessen irgendeine Mainstream Musik aus dem Radio und fluche fröhlich vor mich hin. Ein Hoch auf eure Individualität.
[Disclaimer: Diejenigen unter euch, die sich angesprochen fühlen… joa… macht nur. Mir egal. So what!]
gott sei dank trifft nichts davon auf mich zu :-D
AntwortenLöschen-Lukas