
Allerdings fühle ich, seit dieses Datum immer näher rückt, eine gewisse Melancholie in mir. Es ist nicht ganz einfach, das zu beschreiben, aber es kommt mir vor, als ob die letzten 10 Jahre wie ein ICE an einem Bahnübergang an mir vorbei gerast sind. Man versucht, den einzelnen Wagen mit dem Auge zu folgen, erkennt hier und da für den Bruchteil einer Sekunde Personen in den Abteilen sitzen. Es rauscht, es dröhnt, der Boden unter den Füssen vibriert. Und dann ist der Zug vorbei. Das Dröhnen verhallt. was bleibt, sind die roten Abschlusslichter am letzten Wagen. Und die Stille. Weg. Vorbei. Die letzten 10 Jahre. Im Bruchteil einer Sekunde.
Es waren 10 Jahre, die voller Ereignisse waren. Diese hier alle niederzuschreiben würde auf der einen Seite den Rahmen sprengen, auf der anderen Seite geht euch das meiste allerdings überhaupt nichts an. Aber für mich waren da viele wichtige Ereignisse, Entscheidungen und Wendepunkte, die mich dorthin gebracht haben, wo ich heute bin. Viele Glücksmomente, aber auch viele Fehlentscheidungen und Schicksalsschläge. Im Moment ist alles nicht wirklich einfach. Jeder von uns hat irgendwo Sorgen und Probleme, auch wenn man so etwas gerne ausblendet. Vor allem sollten solche Dinge nicht Thema eines Blogs oder eines Podcasts sein, wenn es sich um tief schürfende Dinge handelt. Das soll hier ja keine Selbsthilfegruppe werden, in der ich euch die Ohren vollheule. Jedenfalls mache ich immer das Beste aus meiner Situation. Ich bin Optimist und weiss, dass nach Regen auch immer wieder Sonnenschein kommt. Ich habe gelernt, dass das Leben zu kurz ist um sich über Kleinigkeiten den Kopf zu zerbrechen. Irgendwie kann ich behaupten, das Leben, durch gewisse Dinge schätzen gelernt zu haben. Und es ist verschwendete Zeit und Energie, sich wegen jedem Scheiss den Kopf zu zerbrechen.
Deswegen sollte ich mir eigentlich auch keinen Kopf machen, nur weil ich bald 30 bin. Trotzdem finde ich diese Zahl unglaublich erdrückend. Ein Alter, in dem viele Freunde und Bekannte bereits verheiratet sind, Kinder haben, die Wochenenden Zuhause auf der Couch oder mit Freunden bei einem Spieleabend verbringen. Nicht dass ich das auch wollen würde, ganz im Gegenteil. Ich find’s hochgradig gruselig. Es ist mehr die Erkenntnis, dass man wirklich und tatsächlich älter wird. Die letzten 10 Jahre sind an mir vorbei gerauscht, wie sieht’s mit den nächsten 10 aus? Wie schnell werden die vorbei gehen?
Tut, was ihr selbst für richtig haltet und womit ihr euch am besten fühlt. Handelt mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand. Hört auf eure innere Stimme und folgt eurem Instinkt. Ich habe das in meinem Leben fast immer getan. Selten habe ich bei Entscheidungen logisch gehandelt. Meist habe ich ich in mich hineingehört und mich gefragt, womit ich mich am besten fühle. Und meistens stellte sich im Nachhinein heraus, dass dies der richtige Weg war.
Jetzt höre ich wieder in mich hinein und frage mich, wie ich mit dieser Zahl umgehen soll, die da auf mich zugeflogen kommt. Ich frage mich immer wieder, was genau mir da Angst macht. Und im Grunde ist es wirklich ganz einfach: Es ist einfach nur diese Zahl. Diese 30. Dieses Damoklesschwert über meinem Kopf. Aber bedroht es mich wirklich? Kann eine Zahl mein Leben verändern? Ich werde ziemlich wahrscheinlich noch genau der selbe sein, wie immer. Ich werde weiter auf Parties gehen, werde mir weiter den Kopf zuschütten. Ich werde weiter über alberne Youtube-Videos lachen, werde weiterhin dämlichen Kram unter anderem in diesem Blog raushauen. Ich werde die selbe Musik hören und die gleichen Klamotten tragen. Ich werde weiter den gleichen Stuss reden und den selben Schwachsinn tun wie eh und je. Werde Menschen glücklich und unglücklich machen, mein Leben geniessen, egal was passiert, kein Blatt vor den Mund nehmen und einen Fick um all das geben, was andere von mir denken oder glauben, über mich zu wissen.
Ich will für immer jung bleiben, und diese beschissene Zahl wird mich nicht daran hindern. Amen.
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