Dienstag, 6. Dezember 2011

Handbremse

Zum Glück hat jeder eine. Und man sollte nie zu lange damit warten und sie nicht erst ziehen, wenn man bereits stillsteht. Sondern bei voller Fahrt zum langsamen Driften um dann bewusst zum Stillstehen kommen.

In kürzester Zeit fiel das Laub und die Temperatur, grosse massive Berge wurden versetzt, Loopings hier und da, Whatthefuck-Momente, wochenlang düste ich Vollgas über die Datenautobahn der Pixel und Bites. Brauste an rot leuchtenden Ampeln vorbei, achtete weder auf Tankanzeige, Tacho noch Motorengeräusche.

Im Glaube an die erquickende Aufbruchsstimmung überliess ich mich letzte Woche mir und meiner Umgebung. Erledigte Dinge, welche mich über Wochen jeden Abend mit grossen traurigen Augen anstarrten.

Ich brachte aussortierte Klamotten zu einer sozialen Organisation, altes Brot zum Tierpark. Ich lächelte, lehnte mich auf die Motorhaube meines Autos und genoss das rege Treiben im fast frühlingshaft warmen Sonnenlicht. Es werden wohl so langsam die letzten warmen Tage für dieses Jahr sein. Ich kehrte den Balkon, während die Nachbarn bereits fleissig die Balkonmöbel in ihren Winterschlaf brachten. Tauschte unzählige Decken-Halogen-Spots in der Wohnung aus, welche seit Monaten kaputt waren. Ich putzte die Wohnung, von oben bis unten, lief einmal quer durch Gibraltar, weiter als je zuvor. Trank für meine Verhältnisse unglaublich viel Wasser, kochte leckere Dinge.

Zeit für ein "um nichts kümmern müssen" Wochenende….welches viel zu schnell zu Ende war. Zeit um zu bremsen und da hin zu kommen, wo die Langeweile sich in bequemstes Volltanken für die nächste Reise wandelte. Freiraum um endlich vor meiner eigenen Türe zu wischen.

Zeitlosigkeit. Vielleicht sollten wir beginnen, Dinge zu tun, anstatt sie nur zu umschreiben. Gutes zu tun, ohne darüber zu sprechen. Wo Funken flackern Feuer machen und der Perfektion den Rücken kehren. Sich gegen das "Somachtmandashalt" wenden.

Herunterkommen und den Aufstieg wieder genau da beginnen, wo der letzte Wegweiser stand, aufhören uns selbst anzulügen und dem Vertrauen in uns lauschen. Nicht Probleme für Lösungen schaffen, die wir zufällig am Wegrand gefunden haben. Und solange wir die Frage nicht verstanden haben, nicht nach Antworten suchen.

Vielleicht sollten wir uns einfach mehr Zeit geben und dem zuhören was das Gestern uns über das Morgen erzählen will.

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