
Dem kleinen, verlorenen Menschen an sich tut es gut, sich “normal” zu fühlen, weil er daraus die Schlussfolgerung zieht, er sei schon in Ordnung, so wie er ist. Das trifft in den meisten Fällen wohl auch zu, aber habt ihr euch mal die Referenzgruppe genauer angesehen?
Wenn Mario Barth in diesem Land problemlos 30 Fußballstadien auf einmal füllen kann, dann habe ich gerne ein abweichendes Humorempfinden. Oder wenn ich sehe, wie oft mir in der Stadt die H&M-Teile vorgeführt werden, bei deren Anblick ich mich am Tag zuvor noch abwechselnd weinend und lachend auf dem Boden rollte.
Und das ist das Schlimme. Diese Uniform von bleichen Beinen in zu kurzen Shorts, plus Ballerinas, plus Cardigan, plus Pferdeschwanz, fertig ist die Wasweißichdenn-Nagelstudiobesucherin, die vielleicht schon sowas Krasses macht wie ihr eigenes Geld zu verdienen. 10 Punkte mehr, falls noch ein Knöcheltattoo, ein komisches Tribal oder ein Arschgeweih, 1 Extrapunkt für einen Perlenohrring. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand in diese Gruppe passt. Aber dass diese Gruppe die dominierende ist, das ist die Katastrophe. Individuen sind meistens okay, Gruppen nicht so. Vor allem, wenn sie sich zusammenrotten, und das haben Gruppen leider so an sich (ausgenommen Sozialphobiker, das ist eine angenehmere Kategorie).
Und dann fängt man an, sich zu fragen, wie Menschen so sein können. Also nicht dieses entsetzte, zurückprallende “Wie kann man nur jemanden umbringen, zerstückeln und einfrieren?”-Wiekannmansosein, sondern eher ein “Warum trägt auf einmal jedes dicke Mädchen Skinny-Jeans oder Chinos und stopft sich das Shirt in die Hose?”-Wiekannmansosein. Man sitzt ernsthaft fasziniert vor dieser Ansammlung von Abziehbildern des jungen Menschen und strickt sich seine eigene Sozialisationstheorie.
Hätten dich deine Eltern früher mit besserer Musik beschallt, würdest du dann heute vielleicht nicht in Musicals stehen? (Ich meine, ernsthaft, es gibt wenig Schlimmeres, sowas kann man vielleicht aus Versehen mal abkriegen, so wie man auch ab und zu ein bisschen Pseudo-Promi-Trash-TV ins Auge kriegt, wenn man nach dem Film nicht sofort umschaltet, aber Karten kaufen und dann auch noch hingehen impliziert für mich grausamsten Vorsatz.)
Überhaupt, Musikgeschmack. Da bin ich ja fürchterlich arrogant und diese Arroganz potenziert sich noch, weil ich der Meinung bin, dass sie an dieser Stelle absolut gerechtfertigt ist. Leute, die zu Konzerten von One Republic oder so gehen. Und das geil finden. Und sich dabei von oben fotografieren, immer und immer wieder mit dem gleichen Lachen und der gleichen “Woohoo, voll die gute Laune!”-Pose, wovon sie dann alle 150 nur mäßig verwackelten Fotos in ein Album packen und das “Woohoo, voll die gute Laune!” nennen.
Oder die mich irgendwann ganz aufgeregt fragen, ob ich denn diese eine Band kenne, die ich ihnen zufällig schon vor 1 Jahr empfohlen habe. Aber diese Leute hören nie jemandem zu. Und sie sind langsam. Scheiße, sind die langsam! Man möchte sie erschlagen, wenn man ihnen bei der Benutzung ihres Laptops zuschaut. Überhaupt, ihr Laptop, Werkzeug Nummer 1, um Unheil in die Welt zu streuen. Sie schreiben Facebook-Nachrichten, in denen sie um die Handynummer bitten, 150 ihrer dummen Freunde kommen dem gerne nach und jeder klickt auf “reply all” und binnen 24 Stunden hat man im Minutentakt eine Unsumme an sinnlosen Nachrichten (meist dann, wenn man auf eine wirklich wichtige wartet). Und sie kopieren sich Tocotronic-Zitate ins Profil, ohne Tocotronic zu mögen oder überhaupt zu kennen. Oder Zitate aus “Der kleine Prinz”. Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar, das wesentliche ist nämlich wahrscheinlich ein Ninja oder das unsichtbare rosafarbene Einhorn.
Und dann schaut man sich das eine Weile an und man bekommt eine Ahnung davon, wie die Söhne Mannheims so lange überleben konnten. Die sind ja sogar zu scheiße, um als guilty pleasure zu gelten. Halleluja. Verdammt, ich fange jetzt gar nicht richtig an, sonst höre ich nie mehr auf.
Der nächste Teil widmet sich dann den 3 verbliebenen Menschen, die ich hiermit noch nicht beschimpft habe. Gute Nacht.
Wenn ich Deine Beiträge lese frage ich mich immer öfters, warum Du Dich primär über negative Dinge auslässt. Ich finde auch dass man auf der Straße zu viele fette Ärsche in Leggins und langen Schlabbershirts *kotz* sieht, aber ich warte auf den Tag, an dem Du mal mit gleicher Inbrunst einen Artikel über etwas schreibst, dass Dich zutiefst positiv berührt hat...
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