Freitag, 8. April 2011

Hamburg - Heimatlos?!?!

Sie sitzen in der Fußgängerzone, oft mit Hund, gelehnt an einer Schaufensterscheibe oder einer Wand, manchmal mit einem Schild, immer mit einem Becher für Münzen, die einige vorbeilaufende Passanten dort hinein fallen lassen.

Doch die meisten laufen vorbei. Senken entweder den Blick zu Boden oder laufen weiter, als wären sie gerade sehr beschäftigt und hätten ihn nicht gesehen. Viele sagen, die sitzen doch nur auf der Straße, weil sie zu faul sind, arbeiten zu gehen. Oder zu stur, um Geld vom Staat anzunehmen. Doch stimmt das auch?

Ich frage mich bei jedem dieser Menschen, welche Geschichte wohl hinter ihrer jetzigen Situation stecken mag. Wie es dazu gekommen ist, dass sie nun auf der Straße leben und betteln (müssen). Was ist ihnen passiert, wie fühlen sie sich dabei? Haben sie überhaupt noch Freunde, Familie, liebe Menschen um sich herum, die ihnen zeigen, dass sie sie mögen? Und was machen sie den ganzen Tag über?

Der Mann mit dem Hund von heute Morgen war heute Abend nicht mehr dort. Wo war er stattdessen? Und was macht er jetzt? Schläft er in einer Unterkunft für Obdachlose, kommt er bei Freunden unter oder muss er draußen in der Kälte schlafen? Letzteres wahrscheinlich nicht. Hoffe ich zumindest. Aber was, wenn wohl?

Genauso die Leute, die Pfandflaschen aus vollgestopften Mülleimern sammeln. Was treibt die dazu? Gut können sie sich dabei nicht fühlen, ihren Stolz haben sie wahrscheinlich schon verloren, sonst könnte man die Scham wohl nicht mehr ertragen. Jeder denkt schlecht über die Person, die da gerade mit ihrer Hand im Mülleimer nach Pfandflaschen sucht. Man möchte diese Person nicht kennenlernen und hofft, die geht schnell vorbei. Man will sich nicht fragen, was diese Person dazu veranlasst, so etwas zu machen. Man steckt sie in eine Schublade und das wars.

Immer wieder nehme ich mir vor, einen von ihnen, von den Menschen, die auf der Straße leben, die ihre Armut offen zur Schau tragen und allen zeigen, sie haben nichts, einfach mal anzusprechen und sie zu fragen. Sie fragen, was ihnen widerfahren ist, wie es ihnen geht, was sie sich von ihrer Zukunft wünschen. Und immer wieder traue ich mich nicht. Entweder, ich gehe vorbei, wie alle anderen auch, und habe dabei ein schlechtes Gewissen. Oder ich gebe ein bisschen Geld und ernte ein Lächeln voll mit ehrlicher Dankbarkeit um dann, mit ebenfalls einem Schamgefühl in meine Luxushotel auf der Edelmeile Hamburgs im Eingang zu verschwinden...

1 Kommentar:

  1. Frag sie.
    Spreche sie an.
    Die meisten sind nur zu gern bereit für einen Kaffee ihre Geschichte zu erzählen.
    Und Du wirst überrascht sein.
    Glaub mir.

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