Samstag, 12. März 2011

Am Morgen nach der Katastrophe

Am Freitag sah man ungläubig auf Animationen von Kontinentalplatten, und auf die Wucht, mit der ganze Dörfer weggerissen wurden, und alles ist so groß, dass man denkt, es ginge um die Häuser, wo es doch um Menschen geht. Nachts bleibt man wach, um zu erfahren, wenn etwas passiert, als könnte man dadurch irgendetwas ändern. Früh morgens liest man die Zahl der Beben, die Zahl der Verletzten, die Zahl der Toten. Und hat noch nicht einmal verstanden, wie ein Atomkraftwerk genau funktioniert. Was genau vor 25 Jahren in Tschernobyl passiert ist. Oder gewusst, dass weltweit noch 442 Reaktoren am Netz sind. Und 65 im Bau.
Man wundert sich über all die online auftauchenden Zyniker, Witzeerzähler, Besserwisser und Kernkraftexperten. Und über die, die sich beschweren, dass der Bäcker um die Ecke geschlossen hat. Dann denkt man kurz an den Begriff der Problemwelten, daran, dass man die eigene mickrige Welt weiter öffnen sollte. (Das ist kein Gutmenschentum, kein Weltverbesserungsdenken. Das ist der Versuch einer Relativierung der eigenen Existenz.)

Also schaltet man den Computer aus und wartet. Warten auf den Weltuntergang? Nein. Man zählt die Zeit, bis alles explodiert. Um bald weiterzugehen, als wäre nichts geschehen.

Zynisch? Realistisch.

"Die Natur prägte früher den Menschen zu seinem Vorteil – heute prägt der Mensch die Natur zu ihrem Nachteil."

Zitat von Klaus Ender, deutsch-österreichischer Poet

1 Kommentar:

  1. Schöner Beitrag wieder einmal.
    Aber dem ist kaum etwas hinzu zu fügen, da die Natur irgendwann ohne den Menschen kann. Der Mensch kann aber nicht ohne die Natur ...

    Cheers, Marko.

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