Sonntag, 6. Februar 2011

Ein offener Brief

Liebe Hormone,


wir müssen reden. Wie lange sind wir jetzt zusammen… so 15, 16 Jahre? Ich weiß, wir hatten wirklich tolle Zeiten, aber ich kann nicht mehr, ich bin am Ende, so geht es nicht weiter.


Im Klartext: Ihr geht mir uff’n Sack.


Manchmal treibt ihr mich einfach in den Wahnsinn, warum macht ihr das bloß? Was kann euch daran liegen, mich so fertig zu machen? Zum Beispiel, wenn ihr mich in eine Heißhungerattacke zwingt, aus der absolut kein Entkommen möglich ist. Ganz egal, wie spät es ist, ihr peitscht mich dazu, meine Jogginghose durch straßentaugliche Klamotten zu ersetzen, (was eigentlich in Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit schon Fauxpas genug wäre), meinen aktuellen Aufenthaltsort, bevorzugt die Couch, zu verlassen und mich auf den Weg zur nächsten Tanke zu machen, um dort völlig überteuert eine Tafel Cadbury Schokolade oder ein Becher Häagen Dasz zu kaufen und diese dann in grob geschätzt drei Atemzügen zu verschlingen. Nicht nur, dass mir danach schlecht ist, nein, wenn das so weitergeht muss ich auch mein Abo im Fitnessstudio aufstocken oder mir meine gesamte Garderobe nochmal in Konfektionsgröße "doppelt so groß" zulegen.


Oder diese leidliche Sache mit den Stimmungsschwankungen. Manchmal reicht ein Lied, ein Duft oder sogar ein noch so dämlicher Werbespot, um mich in Sekundenschnelle in ein mickriges Häufchen Elend zu verwandeln, das sich zusammenkauert, wie ein Schlosshund heult und vor Schluchzen kaum noch Luft bekommt. Dann, eine halbe Minute, ein online bestelltes paar Schuhe und einen Schokopudding später habt ihr genug davon und leitet die schnellstmögliche Genesung ein. Was bleibt ist nur ein Anflug schlechten Gewissens aufgrund der hastig verschlungenen Schokoladensünde und gegenüber meinem Konto, welches mal wieder einer bis auf den letzten Tropfen ausgequetschten Zitrone gleicht….zumindest das, welches für solche Online-Shopping-Orgien extra eingerichtet wurde.


Als wäre das noch nicht genug, veranlasst ihr, dass aus mir ein in den höchsten Tönen vergnügt quietschender Flummi wird, sobald auch nur ein Hundewelpe, ein Katzenbaby oder der Nachwuchs sonstiger Lebewesen, Menschen teilweise sogar mit eingeschlossen, mein Blickfeld kreuzt. Aus mir, einem im normalen Leben durchaus rationalen Mädchen – jawohl, das bin ich…sehr sogar – wird binnen weniger Sekunden eine debil hereinblickende Grinsekatze. Fürchterlich…ich will das nicht!


Freunde, wie gesagt, ich bin es leid und kann nicht mehr, ich hab einfach keine Lust mehr, mich von euch behandeln zu lassen, als wäre ich eure Marionette. Und da wir noch gut 15, 20 gemeinsame Jahre vor uns haben, muss sich da auch was ändern. Bitte, bekommen wir das hin?


Ach ja, vermutlich wäre es besser, würdet auch ihr ein wenig an euch arbeiten und euch gefälligst zusammenreißen. Sollte ich nämlich merken, dass ihr gar nicht gewillt seid, mir auch nur ein klitzekleines bisschen entgegenzukommen, dann trete ich einfach ins Kloster ein und lebe fortan in Keuschheit. Mal sehen, ob ihr das dann auch noch so lustig findet…


Also, liebe Hormone, ich freu mich auf unsere gemeinsame Zeit, und ich hoffe, wir schaffen das.


Ich hab euch sehr lieb.


SABRINA

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