
Mir kommen so viele fast vergessene Erinnerungen wieder auf, so viele alte Gerüche, die ich mit Orten, Menschen und kleinen Abenteuern in Verbindung bringe. Wie wir früher im Flur bei meiner besten Freundin eine Flummi-Schlacht mit ihrem Bruder und seinem besten Freund gemacht haben. Wie wir Angst vor seiner Spinnensammlung hatten, ihm aber beim Fliegenfangen geholfen haben. Als wir auf dem Geburtstag von einer Freundin "Das letzte Einhorn" gesehen haben. Als auf Kindergeburtstagen Topfschlagen und Reise nach Jerusalem gespielt wurde. Als wir stundenlang in einem kleinen Wäldchen hinter den Maisfeldern verschwanden und Höhlen und Baumhäuser bauten...es zumindest versuchten.
Wie wir uns gegenseitig erzählt haben, welchen Jungen wir aus der Klasse am meisten mögen. Und gekichert haben, wenn zwei den gleichen mochten. Wir haben uns Briefe geschrieben und uns für jeden Buchstaben des Vornamens der Freundin ein liebes Wort überlegt. Wir haben jeden Tag nach der Schule schon wieder die beste Freundin angerufen, obwohl wir uns am selben Tag noch sahen und uns eh gerade erst in der Schule verabschiedet hatten. Wir haben Tetris und Super Mario World auf dem Gams Boy gespielt und uns Mutproben überlegt. Schnitzeljagd, Klingelstreich, Lebensmitteltausch - das waren wir.
Der Kioskbesitzer hat uns heimlich Bonbons geschenkt, wenn wir kein Taschengeld mehr hatten. Und seine Frau stand daneben und hat uns wissend zugezwinkert.
Am Wochenende, wenn die Eltern noch schliefen, haben wir uns mit unseren Decken vor dem Fernseher gesetzt und Trickserien geschaut. Eingekuschelt aßen wir dann Cornflakes und tranken Kakao. Eingeschlafen sind wir mit Bibi Blocksberg, TKKG, den drei Fragenzeichen und Benjamin Blümchen. Sesamstraße mochten wir viel lieber als Hallo Spencer, haben Hallo Spencer trotzdem geguckt, damit wir nicht früher ins Bett mussten. Wenn wir das Haus verließen, wussten unsere Eltern nicht, wann wir wieder kommen und wen wir dann mitbringen würden. Im Sommer wurde dann meist unser Garten belagert und so wild im Pool geplanscht, das Papa immer das fehlende Wasser am Abend auffüllen musste.
Früher, da war der Sommer noch warm und dauerte ewig. Es schien, als gäbe es die meiste Zeit des Lebens nichts anderes als Sommer. Nach den Ferien haben wir uns immer die tollsten Geschichten erzählt und waren froh, alle wieder beisammen zu sein.
Wenn ein Ball rüber zu den "bösen" Nachbarn übern Zaun gelang, musste der mutigste den Ball wiederholen. Wir haben festgestellt, das Sandkuchen nichts mit Sand zu tun hat und mit dem Wasserkocher tatsächlich keine Milch warm gemacht werden konnte, ohne ihn dabei kaputt zu machen und Schokoküsse nicht in die Mikrowelle gehören. Unsere ersten Kekse wurden schwarz, wurden aber, weils schließlich die ersten Kekse waren, trotzdem von allen gelobt und manchmal sogar gegessen.
Marienkäfer und Schnecken haben wir gesammelt und in Pappkartons gelegt, in denen ganz viel Gras, Salat und Blütenblatter verteilt waren.
Es war okay, in einen von Take That verliebt zu sein und Poster von den Backstreet Boys im Zimmer hängen zu haben. Englische Lieder wurden immer mitgesungen, obwohl niemand wusste, worum es in den Liedern ging - den Text haben wir uns einfach ausgedacht.
Laute Musik war zum Tanzen da - auf den Betten, auf dem Sofa, auf der Straße, vor dem Spiegel mit Haarbürsten-Micro.
Ich vermisse diese Zeit gerade wie noch niemals zuvor in meinem Leben. Am liebsten würde ich meine früheren besten Freundinnen anrufen, mich mit ihnen treffen und wieder mit ihnen im Zelt im Garten übernachten. Oder heimlich durch fremde Gärten schleichen, die Baustellen in der Nachbarschaft und das Gelände drumherum erkunden, dessen Zutritt Unbefugten verboten war. Durch die Reste der stillgelegten Ziegelei laufen und Geschichten darüber erfinden. Doch die Zeiten haben sich geändert. Wir haben uns geändert. Nur die Erinnerungen, die bleiben. ♥
Wenig Details, viele Erinnerungen, die fehlen. Aber: Ich weiß wieder, warum ich mit dem Bloggen angefangen habe….ich möchte nicht mehr so viele Erinnerungen verlieren!
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