Montag, 22. November 2010

Draußen? Kalt da draußen!

Ich erinnere mich noch an dieses Damals. Da war ich noch jung und klein….und wenn man da jemanden angerufen hat, dann tat man das zu Hause. Wo denn auch sonst. Man schrubbelte die Nummer in die Wählscheibe oder hackte sie in die Tasten und wenn jemand nicht zu Hause war, dann war er halt eben nicht erreichbar. Egal wie wichtig der Anruf auch war, man musste warten. Natürlich nicht auf einen Rückruf, denn der Angerufene wusste nichts davon, dass man versucht hätte ihn zu erreichen. Woher denn auch? Ortsgespräche, Nachttarif. Und dann? Dann kamen die Handys. SMS, Mailboxansagen, verpixelte MMS. Erst später animiert oder dann auch in Farbe und vielleicht sogar mit Ton. Prepaid-Karten und wenn man ausländisches Netz hatte, dann konnte man ins Minus gehen. Plötzlich Flatrates aber nur wenn die Netzanbieter auch zusammenpassten. Bluetooth, Speicherkarten, Klingeltöne polyphon, monoton und trotteligon. Internet gab es im Handy schon länger. Konnte man sich aber nicht leisten. Teilweise sorgte es für extrem hohe Handyrechnung, weil man aus versehen in der Hosentasche nach qwdfloadp gegooglt hat.

Und heute? Schlimmster Moment immer, wenn der Akku jault, dass er Hunger hat. Schnell Gegenmaßnahmen ergreifen. 3G ausschalten und die Suche nach WLAN unterdrücken. Weil der Abend dauert sicher noch ein bisschen länger und was sollte man denn bitte sonst auf der Heimfahrt machen, als noch schnell einen SMS zu tippen oder bei facbook posten das man jetzt nach Hause geht?!

Ich war grad eben draußen….es war nicht lange, aber wenn ich so überlege hätte ich mindestens einen Anruf erledigt und mal kurz bei facebook reingeschaut. Nur so. An der Kasse. Die Wartezeit überbrücken. Erschreckend, wie wenig ich außerhalb der Wohnung mit mir selbst allein sein kann….zu Hause kann ich das Stunden, Tage, Wochen…ohne nur einen kleinen Anflug von Langweile.

Komisch, wie schwer es mir "im Draußen" fällt mich nur auf meine Umwelt zu konzentrieren ohne den doppelkinnfördernden Blick auf ein spiegelndes Display. Schön war es gerade. Da draußen. Sehr windig, der Himmel hellblau mit ein paar weißen Wolken die aussahen als hätte Bob Ross begonnen zu malen. Laub auf dem Boden, der satte und kalte Geruch von Winter lag in der Luft. Das alles konnte ich sehen, fühlen und riechen, weil mein Blick nicht automatisiert auf mein Handy fiel. Doch das wirklich Erschreckende ist, dass ich darüber einen Blogpost schreiben muss. Das es wirklich schon so weit ist, dass mir so etwas auffällt und das es so vermeintlich wichtig ist, dass ich darüber schreiben muss. Eigentlich traurig. Ich stelle mir hiermit also hochoffiziell ein Armutszeugnis aus…und das mit Auszeichnung.

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