Seit ich denken kann bin ich ein Nachtmensch. Leider ließ sich das mit der Schule früher und der Ausübung der Entwicklungsstufe Kind nicht immer vereinbaren.
Doch mit den zunehmenden Jahren der Unabhängigkeit von Rechten und Pflichten der Eltern lebte ich meine Leidenschaft für die Nacht aus. Erst still und heimlich. D
ann öffentlich, da sich die Begleiterscheinungen gelegentliches Gähnen, abstrakt sitzende dunkle Augenringe und Anfälle von Sekundenschlaf am Morgen nicht mehr vertuschen ließen. So zeigte ich es offen: "Ja, Ihr Leute ich bin ein Nachtmensch. Wenn Ihr Eure Augen schließt, Euren vom Tagwerk geschundenen Körper zwischen den Kissen wälzt und Euch die Träume ins Unterbewusstsein manövrieren, dann bin ich munter!"
Die Nacht war für mich schon immer ein besonderer Ort der Stille. Zwischen den Sternen, einem ab & zu nehmenden Mond und dem Schweigen der Allgemeinheit entfaltete ich kreative und Alltags taugliche Kräfte.
Auch diese Fragen: "Aber brauchst Du denn keinen Schlaf?", "Haben Deine Eltern Dir früher nicht vor dem Schlafen gehen vorgelesen?", "Denkst Du nicht Gott hätte gewollt, dass die Nacht zum schlafen & der Tag zum Verrichten des Alltags da ist?", haben mich nicht davon abgehalten, weiterhin der schlaflosen Seite der dunklen Atmosphäre anzugehören.

Es ist eine ganz einfache Rechnung: einsetzende Dunkelheit + Ich = größere Leistungsdichte meines Geistes. Ich kann dafür keine Erklärung abgeben, aber es ist so. Noch dazu kommt meine Schwäche relativ lange schlafen zu können und auch, wenn die ersten Sonnenstrahlen zum Fenster hinein kommen, stört dies meinen Schlaf in keinster Weise. Ich schlafe eigentlich auch sehr gern und ausdauernd, nur halt nicht dann, wenn es normal wäre, also nachts.
Vielleicht hat es mich genau aus diesem Grund in die Werbung getrieben, wo es egal ist, ob Du tagsüber nur ein halber Funktionsträger deiner Möglichkeiten bist und in der Nacht, der springende Punkt, die perfekte Idee, das kreative Ultima auf dem Mac zu Stand kommt.
In den beruflichen Gefilden und im Zusammenspiel der zwischenmenschlichen Interaktionen, die der Alltag mit einem rigorosen Zeitpunkteplan verfolgt führt es dazu, dass ich manchmal nur, um die 4 - 5 Stunden Schlaf bekomme, aber das ist mir meine Leidenschaft wert. Trotzdem hoffe ich irgendwann mein privates "Hobby Nacht" gänzlich mit den beruflichen Interessen verbinden zu können.
So wie der Agenturalltag damals in Deutschland war… nie vor 10 Uhr anfangen mit arbeiten und dann erstmal 1,5 Stunden Brainstorming und Kreativmeeting (aka verlängertes Frühstück mit gelegentlich entstehenden Sinneinheiten). Gut, dann arbeitete ich manchmal bis 22/23 Uhr, aber genau, das ist es was ich brauche.
Morgens bin ich unproduktiv und irgendwie so verpeilt, dass an mich gerichtete Worte manchmal einfach zurück prallen. Standartisierte Aufgaben erledige ich auch morgens problemlos…Waschmaschine an, Spülmaschine aus…kein Problem, aber Kreativität Fehlanzeige. Ich kann morgens auch nicht essen und bin einfach noch nicht leistungsfähig. Der erste Kaffee, der erste Happen Frühstück und die Lebensgeister wachen auch endlich auf. Nun kann der Tag starten, der Kopf arbeiten, die Phantasie fliegen.
Es scheint, als wäre meine innere Uhr verbunden mit dem Drücken auf eine Snozze Taste meines Gemütes.
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