Am Wochenende hatte der Lieblingsmensch und ich das Vergnügen im Dunkeln zu essen und es war kein Stromausfall oder so etwas in Schuld. Wir hatten zu Weihnachten einen Erlebnisgutschein für das besagte "Dinner in the dark" von Dominiks Eltern bekommen und da es uns für ein Paar Tage nach Hamburg verschlagen sollte, nutzten wir die Gunst der Stunde um den Gutschein einzulösen.
Zunächst einmal konnten wir uns zwischen diversen Kategorien entscheiden: Fisch, Geflügel, Rind, Lamm, Überrschung und vegetarischem Essen. Nach getroffener Wahl (für mich Fisch und für Dominik die gänzliche Überraschung) führte uns unser blinder Kellner mit noch zwei Herren im Polonaisestil in ein stockfinsteres Raum. Nachdem wir zu unseren Stühlen geführt wurden – man sieht ja schließlich nicht, wo der Tisch anfängt und der Stuhl endet – tasteten wir erst einmal unsere Umgebung ab. Messer, Gabel und Glas alles an seinem Platz, fragte sich nur noch wie lange. Schon erstaunlich wie genau man sich organisieren muss, wenn man nicht sehen kann. Glas am Ende der Gabel hinstellen, Gabel rechts am Rand des Tisches und so weiter, nur bloß um alles wiederzufinden und nichts umzuwerfen.
Ein Vier-Gänge Menü wartete danach auf uns. Keine Ahnung, was genau, aber fest steht... es war durchaus essbarer, wenn man es sieht würde man manches zum Beispiel nicht essen (bei mir war es das fritierte Fischfilet...aber im dunkeln war es komischerweise okay). Das Auge isst eben auch mit ! Aber wenn nicht sehen, dann doch wenigstens fühlen, also kurz das Essen „befummeln“ und erraten, was einen erwarten könnte. Schwieriger als gedacht. Das man dann jede Menge Soße oder so etwas an den Fingern hat, ist wohl das Risiko, aber wofür ist denn sonst die Serviette da, die irgendwo neben dem Messer lag. Hatte Dominik vielleicht doch Recht gehabt, als er sagte, „nehmen wir doch lieber ne Taschenlampe mit“? Ne Ne, das hätte wohl die ganze Spannung weggenommen.
Mehr sieht man nicht !
Wir hatten zudem das große Glück bei unglaublich interessanten, netten und lustigen Menschen am Tisch gelandet zu sein. Obwohl Trutz und Wibke schon mit dem Dessert fertig waren, leisteten sie uns in völliger Dunkelheit Gesellschaft bis wir mit unseren vier Gängen fertig waren. Wir hatten uns plötzlich sowas von Verquatscht, dass die Zeit wie im Fluge verging. Zudem stieg auch die Neugier.... denn nachdem wir uns gegenseitig versucht hatten optisch zu erraten und unser Alter zu schätzen, war es wirklich mehr als spannend, endlich zu erfahren.... mit wem man nun 2 Stunden, absolut nichts sehend, den Abend verbracht hat. Wahnsinn wann man sich dann plötzlich gegenüber seht !
Vielen Dank nochmal an euch zwei, ich hoffe wir wiederholen das Ganze nochmal im hellen oder zumindest bei Beleuchtung ;-)
Insgesamt kann man sagen, im Dunkeln zu Essen ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert, aber nichts für Menschen, die Angst im Dunkeln haben.... es ist eine ganz neue Erfahrung, sich auf seinen Hör- und Tastsinn zu verlassen. Berührungen und Geschmäcke sind im Dunkeln viel intensiver und man kann sogar teilweise die Anwesenheit, von Menschen spüren, auch wenn sie gerade nichts sagen.
Eins wird einem sicherlich dadurch auch noch viel klarer: Welches Geschenk es ist, gesund zu sein und sehen zu können. Das vergessen wir leider viel zu oft !!!
Danke Jutta & Paul für dieses spannende Erlebnis.
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