Alle anderen dürfen natürlich auch mitlesen, eventuell kommt ja der eine oder andere auch auf den Geschmack der gesprochenen Literatur. Zudem wäre es eine nette Idee in Zukunft ab und an eine kleine Rezession über gelesenes, gehörtes oder gesehenes zu schreiben. Ich werde diesen Gedanken mal festhalten...mal schauen ob ich mich als Kritikerin behaupten kann ;-)
***Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer***
Erstaunlich, wie wenig Worte notwendig sind, um Leidenschaft zu entfachen. Sie müssen nur richtig gewählt sein und zur rechten Zeit kommen. Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr...und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Bald gibt Leo zu: "Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie, liebe Emmi. Ich weiß aber auch, wie absurd dieses Interesse ist."
Wenig später gesteht Emmi: "Es sind Ihre Zeilen und meine Reime darauf: die ergeben so in etwa einen Mann, wie ich mir plötzlich vorstelle, daß es sein kann, daß es so jemanden wirklich gibt." Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten persönlichen Treffen kommt, aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, daß sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern. Außerdem ist Emmi glücklich verheiratet...und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt...werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?
“Leo, seien wir doch ehrlich: Ich bin für Sie ein Fantasiebild, real daran sind nur ein paar Buchstaben, die von Ihnen sprachpsychologisch ind einen klangvollen Zusammenhang gebracht werden können. Ich bin für Sie wie Telefonsex, nur halt ohne -Sex und ohne Telefon. Also: Computersex nur ohne Sex und ohne Bilder zum Herunterladen. Und Sie sind für mich reine Spielerei, eine Flirt-Wiederauffrischungsagentur.” Sie wählen eine Zwischenlösung und “treffen” sich in einem Cafe zu einer bestimmten Zeit, ohne sich erkennen zu geben. Danach haben sie sich viel zu erzählen bzw. viel zu (ver-)raten. Mehr verrate ich allerdings jetzt nicht. Ich hoffe, ich habe Appetit auf’s Hören oder auch Lesen gemacht ;-)
...und nun abschließend... in diesem Fall kann ich jedem, der ansonsten nicht so von Hörbüchern begeistert ist, empfehlen, dennoch die Hörversion zu sich zu nehmen. Christian Berkel und Andrea Sawatzki sind wie geschaffen, bessere Stimmen für Leo und Emmi hätten nicht gefunden werden können. Ihre rotzfreche, selbstbewusste und zugleich auch sensible und warmherzige Art spiegeln sich hervorragend in Andreas munterem Tonfall, und niemand könnte Leos ruhige, gedankenvolle, ironische und melancholische Wesen besser darstellen als Christian Berkel. Wie ein Gewehrfeuer lässt Andrea ihren Text auf Leo los, und gekonnt gemächlich aber keinesfalls behäbig kontert Christian im nächsten Mail auf Emmis Kaskaden. Leo, Andrea, Emmi, Christian, man kann kaum noch auseinanderhalten, Stimmen und Worte passen so gut zusammen, als wären sie eins. Selten, dass ich so eine großartige Symbiose zwischen einem Hörbuch und den Sprechern erlebt habe!
Doch, ich kann dieses Buch wirklich nur jedem ans Herz legen, der (jetzt mach ich es mal mit Aufzählungen, wie Emmi):
1. Liebesromane sehr gerne mag (denn es ist einer)
2. Liebesromane überhaupt nicht mag (denn er ist trotzdem gut)
3. der selbst ein Mailjunkie ist (denn er wird sich selbst entdecken)
4. mal so richtig lachen möchte (denn er kommt auf seine Kosten)
Doch, ich kann dieses Buch wirklich nur jedem ans Herz legen, der (jetzt mach ich es mal mit Aufzählungen, wie Emmi):
1. Liebesromane sehr gerne mag (denn es ist einer)
2. Liebesromane überhaupt nicht mag (denn er ist trotzdem gut)
3. der selbst ein Mailjunkie ist (denn er wird sich selbst entdecken)
4. mal so richtig lachen möchte (denn er kommt auf seine Kosten)
Mein Lieblingszitat: "Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen, schreiben ist wie küssen mit dem Kopf"
... diesen Satz nur mal damit man sich ungefähr vorstellen kann, wie tief die geschriebenen Emotionen gehen können.
Auch wenn es nicht von Dir ist:
AntwortenLöschenSchreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen, schreiben ist wie küssen mit dem Kopf.
Klasse! Einfach klasse!
Liebe Grüße Karsten